Königinnenaufzucht im weisellosen Pflegevolk

Die Besiedelung des Magazins mit vier Begattungsvölkchen über einem Viererboden mit eingestellten Schieden bietet sich besonders dann an, wenn die Königinnen im weisellosen Pflegevolk aufgezogen werden. Außer dem anschließend beschriebenen Verfahren gibt es viele andere. Zum Beispiel ist es auch möglich, die Königinnenaufzucht in einem weiselrichtigen Volk durchzuführen. Die meisten Verfahren sind so kompliziert, dass sie eher von der Königinnenaufzucht abhalten. Die hier vorgestellte Methode ist einfach und kann ebenfalls variiert werden. Probieren Sie sie ruhig aus. Wenn es gelingt, was nicht nur von Ihrem imkerlichen Geschick, sondern auch vom Wetter abhängt, werden Sie viel Freude an Ihren Königinnen und Ihren Jungvölkern haben. Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt, versuchen Sie es einfach noch einmal. Als Pflegevolk kann ein Sammelbrutableger dienen, der, wie oben bereits beschrieben wurde, durch Schröpfen der Wirtschaftsvölker erstellt wird. Man kann auch ein starkes Wirtschaftsvolk opfern. Allein dafür gibt es schon drei (und mehr) Möglichkeiten:

  1. Man sucht die Königin und tötet sie. Das Volk schafft nach. Nach 9 Tagen werden die Weiselzellen gebrochen und der Zuchtrahmen eingehängt. Diese Vorgehensweise führt zu einem ähnlichen Ergebnis wie der Sammelbrutableger.
  2. Man sucht die Königin und entnimmt sie mit einer (Brut-) Wabe, die gut mit Bienen besetzt ist. Dieser Königinnen-Ableger wird mit einer Futterwabe und 8 Mittelwänden in einer Beute untergebracht und wächst während des Sommers zu einem überwinterungsfähigen Volk heran. Dem so entweiselten Restvolk werden nach 9 Tagen die Weiselzellen gebrochen und der Zuchtrahmen eingehängt.
  3. Bei der Entweiselung des Pflegevolkes werden auch alle Waben mit offener Brut entnommen. Dazu zählen auch die Waben, die überwiegend verdeckelte und nur wenig offene Brutzellen haben! Die Bienen werden abgestoßen oder abgefegt und die Brutwaben anderen Völkern aufgesetzt. Bei der Brutentnahme wird das Pflegevolk auf zwei Zargen eingeengt. In der Mitte der oberen Zarge lässt man Platz für den Zuchtrahmen, 1 bis 2 Stunden nach der Entweiselung wird der belarvte Zuchtrahmen eingehängt. Das kann auch einen oder einige Tage später geschehen, doch sollte dann bis dahin eine Wabe mit offener Brut im Pflegevolk verbleiben, sodass es die Möglichkeit hat nachzuschaffen.
  4. Eine weitere Variante ist, dem entweiselten Volk alle Brut zu belassen und den Zuchtrahmen 1 bis 2 Stunden nach der Entweiselung einzuhängen. Dabei besteht das Risiko, dass die Bienen überwiegend lieber ihre eigene offene Brut zur Nachschaffung nutzen als die fremden Larven, die ihnen der Imker mit dem Zuchtrahmen gegeben hat. Die Annahmequote der Larven in den Weiselbechern kann zwischen 0 und den Höchstwerten von ungefähr 80% streuen, die bei der Zucht im weisellosen Volk häufig erreicht werden. Von den auf den Brutwaben angelegten Nachschaffungszellen können einige schon nach 9 Tagen schlüpfen, wenn die von den Bienen ausgewählten Larven älter waren als die, die der Imker in die Weiselbecher des Zuchtrahmens gelegt hat. Deshalb müssen die Nachschaffungszellen auf den Waben rechtzeitig gebrochen werden.
  5. Die Opferung eines Wirtschaftsvolkes für die Bildung eines Pflegevolkes ist bei mir die Ausnahme. Ich gehe lieber den Weg über den Sammelbrutableger. Seine Altersstruktur gewährleistet das Gelingen der Königinnenaufzucht und schafft gute Startbedingungen für die Begattungsvölkchen.
  6. Der Zwischenbodenableger
  7. Bildung eines Sammelbrutablegers

Der Zuchtrahmen

Für die Königinnenaufzucht werden ein Umlarvlöffel und ein Zuchtrahmen mit Weiselbechern benötigt. Außerdem werden zum Verschulen der Königinnenzellen Schlupfkäfige gebraucht. Eventuell lohnt sich auch die Anschaffung eines Schlupfrahmens.

Der Zuchtrahmen ist ein leeres Rähmchen, in dem zwei drehbare Querleisten (Zuchtleisten) eingefügt sind. Auf die Zuchtleisten werden spezielle Pfropfen mit Weiselbechern geheftet, die man vorher mit einem entsprechenden Formholz aus im Wasserbad verflüssigtem Wachs hergestellt und auf den Pfropfen geklebt hat. Auf einer Zuchtleiste haben bis zu 15 Weiselbecher Platz. Geeignet sind auch Weiselbecher aus Plastik, die im Handel als Komplett-Systeme (mit Stopfen und Schlupfkäfig) erhältlich sind.

Von welchem Volk nachziehen?

Als Zuchtstoffspender wird ein Wirtschaftsvolk ausgesucht, dass bisher nicht negativ aufgefallen ist. Das wichtigste Auswahlkriterium ist die Sanftmut. An diese sind sehr hohe Maßstäbe anzulegen. Ziehen Sie nur von ausgesprochen friedfertigen Völkern nach! Am besten gelingt die Beurteilung bei der Spätsommerpflege, wenn die Völker von drei auf zwei Zargen eingeengt werden und die unterste Zarge entfernt wird. Welches Volk bei diesem Eingriff nicht sticht und sich ruhig verhält ist nachzuchtwürdig.

Zuchtrahmen mit WeiselnäpfchenDer Zuchtrahmen. Die Zuchtleiste trägt Pfropfen mit Weiselbechern aus Wachs und aus Kunststoff (rechts). Sie sind beide geeignet.

Von den sanftmütigen sind für die Nachzucht diejenigen Völker unbedingt auszuschließen, bei denen Kalkbrut aufgetreten ist. Das einmalige Auftreten von Kalkbrutmumien reicht für den Ausschluss aus. Andere Kriterien wie »keine oder geringe Schwarmneigung bei guter Honigleistung« stehen bei der Auswahl der »Zuchtmütter« erst an dritter Stelle. Das Ergebnis dieser Auslese kann nicht sicher vorhergesagt werden; denn die Eigenschaften der Jungvölker werden nicht nur von ihren Königinnen, sondern auch von dem Erbgut der Drohnen bestimmt, die bei der Begattung der Königinnen zum Zuge kommen. Welche das sind lässt sich bei der Standbegattung nicht vorhersehen. Zum Umlarven wird dem ausgesuchten Zuchtvolk eine Brutwabe entnommen, auf der sich viele jüngste, gerade aus dem Ei geschlüpfte Arbeiterinnenlarven befinden. Sie sollten nicht älter als 1-2 Tage sein. Nur dann können sie von den Ammenbienen des Pflegevolkes zu einwandfreien Königinnenlarven umgepolt werden.

Für das Umlarven sind gute Lichtverhältnisse, eine ruhige Hand und ein gutes Auge notwendig. Die Larven sind am Rücken weniger empfindlich als am Bauch. Deshalb wird der Umlarvlöffel hinter der Larve in den Futtersaft eingetaucht und vorsichtig auf den Zellenboden aufgesetzt und dann unter die Larve geführt, sodass diese mit etwas Futtersaft auf dem Löffel zu liegen kommt. Beim Ablegen der Larve in den vorgesehenen Weiselbecher des Zuchtrahmens verfährt man entsprechend: den Löffel auf den Becherboden setzen und nach hinten wegziehen, sodass die Larve abgestreift wird. Wenn alle Weiselbecher belarvt sind, wird der Zuchtrahmen in die Mitte der oberen Zarge des Pflegevolkes gehängt und die Zarge abgedeckt. Die offene Brut ist empfindlich gegen UV-Strahlen. Die Zuchtstoffwabe und der Zuchtrahmen dürfen während des Umlarvens nicht der Sonne ausgesetzt sein.

Verschulen der Königinnenzellen

Bei einem starken Pflegevolk kann man damit rechnen, dass von 30 angebotenen Larven mindestens 20 Königinnen aufgezogen werden.

Die Weiselzellen werden frühestens 5 Tage und spätestens 10 Tage nach dem Umlarven gekäfigt (»verschult«), um zu verhindern, dass die Königin, die als erste schlüpft, ihren Schwestern den Garaus macht. Wenn für die Königinnenaufzucht ein Stecksystem verwendet wird, können die Schlüpfkäfige (mit 4 oder 5 Begleitbienen gefüllt) einfach über die Weiselzellen geschoben werden, sodass diese auf den Zuchtleisten verbleiben. Die Weiselzellen können auch vorsichtig von der Zuchtleiste gelöst und zusammen mit 4 oder 5 Begleitbienen in einen Schlupfkäfig gesteckt werden, der mit dem Pfropfen, auf dem die Weiselzelle nach wie vor sitzt, verschlossen wird. Als Käfig sind auch Lockenwickler geeignet, allerdings nur solche, zu denen der Pfropfen passt.

gepflegter ZuchtrahmenMan braucht ein starkes Pfegevolk, um viele Königinnen zu erhalten. Außerdem sollte der Zuchtrahmen anständig hergerichtet sein. Mit verstaubten Weiselbechern klappt es nicht!
Verschulte WeiselzellenVerschulen von Weiselzellen: Zuerst wird die Wabe neben dem Zuchtrahmen gezogen und an die Beute gelehnt. Sie dient als Begleitbienenspender. Dann wird der Zuchtrahmen gezogen und ebenfalls an die Beute gelehnt. Danach werden die Schlupfkäfige mit 4 oder 5 Begleitbienen gefüllt und einfach über die Weiselzellen geschoben.

Nach dem Käfigen der Weiselzellen kommt der aus dem Zuchtrahmen entstandene Schlupfrahmen zurück ins Pflegevolk. Die Schlupfkäfige können aber auch einzeln in die Wabengassen gelegt werden. Für den Schlüpfvorgang ist es ohne Bedeutung, ob die Zellen liegen oder stehen. Die Käfige im Schlupfrahmen werden stärker von Bienen umlagert als die auf die Wabengassen gelegten Käfige. Auch das spielt keine Rolle, wenn das Pflegevolk genügend Wärme erzeugt. Das ist gewährleistet, wenn es stark ist.

Nach dem Verschulen kann dem Pflegevolk eine Zarge mit Futterwaben aufgesetzt werden, die für die Bildung der Begattungsvölkchen gebraucht werden. Diese Erweiterung sorgt dafür, dass sich die Bienen des Pflegevolkes auf mehr Waben verteilen und sie leichter auf die Begattungsvölkchen verteilt werden können.

Zwei Tage nach dem Verschulen und damit 12 Tage nach dem Umlarven sind die Königinnen in der Regel geschlüpft. Manchmal dauert es etwas länger. Die geschlüpften Königinnen werden in Begattungsvölkchen eingeweiselt, die mit den Bienen des Pflegevolkes erstellt werden. Zuerst wird der Schlupfrahmen gezogen und die Anzahl der geschlüpften Königinnen festgestellt. Die noch nicht geschlüpften Zellen werden aus ihrem Käfig genommen und vom Pfropfen gelöst, um zu überprüfen, ob die Königin lebt oder tot ist. Dazu wird die Weiselzelle an einer Seite knapp über dem Zellenboden mit einem Messer vorsichtig aufgeritzt und geöffnet. Wenn die Königin lebt (sie sollte kurz vorm Schlupf stehen), wird die Zelle wieder auf den Pfropfen gedrückt und als nicht geschlüpfte Zelle in ein Begattungsvölkchen gegeben. Wenn nicht wird sie verworfen.

Die Entscheidung über die Verwertung der nicht geschlüpften Zellen erübrigt sich, wenn mehr Königinnen geschlüpft sind als Begattungsvölkchen gebildet werden können. Die Anzahl der möglichen Begattungsvölkchen ist durch die Anzahl der »Bienenwaben« vorgegeben. Ein einzargiges Pflegevolk liefert, wenn es als Sammelbrutableger mit 7 bis 9 »Brutbrettern« und den ansitzenden Bienen gebildet worden ist, das Bienenmaterial für 10 Begattungsvölkchen (= 10 Bienenwaben). Bei einem zweizargigen Pflegevolk fallen in der Regel doppelt so viele Begattungsvölkchen an, allerdings nur, wenn genügend Königinnen geschlüpft sind. Bei ihm kommt es eher zu einem Mangel an geschlüpften Königinnen als zu einem Überschuss. Deshalb betreibe ich die Königinnenaufzucht lieber in einzargigen Pflegevölkern. Ihr Nachteil: Bei guter Tracht wird der Zuchtrahmen sehr rasch mit Wildbau gefüllt. Zum Ver-schulen müssen die dann eingebauten Weiselzellen mit einem scharfen Messer freigeschnitten werden.

Erstellen der Begattungsvölkchen

Die Begattungsvölkchen werden entweder, jeweils zu viert, in die Abteile eines Magazins mit Viererboden einlogiert oder, jedes für sich, in Magazine mit Gitterboden. Die Magazine werden selbstverständlich vorbereitet. Ihre Anzahl richtet sich nach der Zahl der verschulten Königinnenzellen.

Bei geschlossenen Fluglöchern wird in jedes Abteil des Viererboden-Magazins eine mit Bienen besetzte Wabe des Pflegevolkes gehängt.

Bei dieser Gelegenheit können die Völkchen mit Oxalsäure gegen die Varroamilbe behandelt werden, was aber nicht notwendig ist, wenn die Pflegevölker nur schwach befallen sind. Als Entscheidungshilfe dient eine während des Pflegevorgangs durchgeführte Gemülldiagnose.

Zu der »Bienenwabe« wird eine gut gefüllte Honig- oder Futterwabe gegeben und eine geschlüpfte Königin (oder verdeckelte Weiselzelle) zugesetzt. Die acht Waben eines Magazins werden so angeordnet, dass die Bienenwaben zweier Abteile nebeneinander hängen, also nur durch den dünnen Schied getrennt sind. So wärmen sich die Völkchen auch gegenseitig.

Die vier Begattungsvölkchen eines Magazins werden mit einer Folie abgedeckt. Auf die Folie wird der Innendeckel gelegt und zwar mit seiner glatten Oberseite nach unten, sodass er auf allen Schieden aufliegt. So wird verhindert, dass die Bienen die Rähmchen überbauen, dabei die Folie nach oben drücken und eventuell einen Zugang zum Nachbarvölkchen schaffen. Über den Innendeckel wird die Blechhaube gestülpt.

Beim Zusetzen der jungen Königin besteht die Gefahr, dass sie auf- und wegfliegt. Deshalb ist Vorsicht angeraten. Am besten legt man den geöffneten Käfig auf eine der beiden besetzten Wabengassen des Begattungsvölkchens und deckt es mit der Folie ab, bis die Königin den Käfig verlassen hat und in die Wabengasse abgetaucht ist. Das kann bei den vier Begattungsvölkchen eines Viererboden-Magazins gleichzeitig geschehen.

Aus einem zweizargigen Pflegevolk können durch einfaches Umhängen der Waben 5 Magazine mit insgesamt 20 Begattungsvölkchen gefüllt werden. (Eigentlich sind es nur 19, die Bienen des Schlupfrahmens werden in ein Abteil mit 2 Waben abgestoßen.)

Eine besondere Behandlung der Bienen wie beim Füllen von Begattungskästchen ist dabei nicht notwendig. Das Vorhandensein von Drohnen wird billigend in Kauf genommen, da sie für das Begattungsergebnis ohne Bedeutung sind.

Die Magazine werden am selben Abend auf einen Begattungsplatz außerhalb des bisherigen Flugkreises des Pflegevolkes gebracht. Es ist keine Kellerhaft nötig. Beim Transport sollte man darauf achten, dass die Völkchen ausreichend von unten belüftet werden. Das ist gewährleistet, wenn sie mit den Gitterböden auf Holzleisten gesetzt werden.

Am Begattungsplatz empfiehlt es sich, die Magazine auf entsprechend große Unterlagen (breite Bretter, Steinplatten oder eben liegende Dachpappe) zu stellen, sodass vor den Fluglöchern etwas »Landefläche« ist und sie nicht zuwachsen. Für die notwendigen Kontrollen ist es auch besser, wenn die Magazine in Arbeitshöhe stehen und nicht auf dem Boden. Außerdem ist auf genügend Abstand zwischen den Magazinen zu achten, um Verflug der Königinnen zu vermeiden.

Sobald die Königinnen begattet sind, stehen ihnen auf den zwei Waben genügend leere Zellen zur Eiablage zur Verfügung, sodass das Brutnest rasch wächst und frühestens zwei Wochen später dahingehend beurteilt werden kann, ob es geschlossen oder löchrig ist. Bei dieser Kontrolle macht es auch wenig Mühe, Größe, Gestalt, Farbe und Unversehrtheit der Königin zu prüfen. Auf den zwei Waben, manchmal hält sie sich auch auf der Magazinwand oder auf dem Schied auf, ist sie schnell gefunden und kann auch gefangen und gezeichnet werden.

Das Fangen und Zeichnen der Königin kann an Arbeiterinnen geübt werden! Am einfachsten ist sie an den Flügeln zu packen und zu halten. Mit dem Zeichenstift wird ihr ein Farbklecks auf den Rücken getupft. Dann kann sie zurück ins Volk.

Nicht alle Königinnen gehen in Eiablage, weil sie zum Beispiel vom Begattungsflug nicht zurückkehren. Weisellose Völkchen werden durch Ziehen des Schieds mit dem benachbarten weiselrichtigen Völkchen vereinigt. Dessen Königin wird vorher in einen Käfig eingesperrt, der mit Futterteig verschlossen wird, damit sie in der Zeit, die die Bienen der beiden Völkchen brauchen, sich aneinander zu gewöhnen, und in der sie die Königin frei fressen, nicht zu Schaden kommt. Die Waben werden zusammengerückt.

Sind bereits Drohnenmütterchen (Eier legende Arbeiterinnen) vorhanden, wird das betreffende Völkchen einige Meter entfernt abgefegt und der Schied gezogen. Auch in diesem Fall muss die Königin des benachbarten Völkchens geschützt und gekäfigt werden, damit sie von den eventuell heimkehrenden Drohnenmütterchen nicht umgebracht wird.

Sobald die erste Brut schlüpft, fangen die Völkchen an zu wachsen. Dann kann es auf zwei Waben rasch zu eng werden. Deshalb sollten die Völkchen rechtzeitig in Magazine mit Gitterboden umlogiert werden. Bei Zuchten, die (früh im Mai oder Anfang Juni) begonnen werden, ist das Umsetzen unbedingt notwendig, wenn das Wachstumspotenzial der Jungvölker genutzt werden soll. Bis zum Herbst füllen die Völker mindestens eine Zarge. Wenn diese Jungvölker laufend gefüttert werden, bauen sie bis zum Herbst 8 Mittelwände aus. Am Anfang ihrer Entwicklung kann man ihnen auch leere gedrahtete Rähmchen an und in das Brutnest geben. Solange die Völker klein sind füllen sie die Rähmchen ausschließlich mit Arbeiterinnenbau. Erst später, wenn sie mehr als 5 Waben besetzen, wird auch Drohnenbau errichtet. Der Naturwabenbau hilft die Belastung des Wachses mit Rückständen zu reduzieren.

Bei späteren Zuchten ist nicht mehr zu erwarten, dass aus den Begattungsvölkchen noch überwinterungsfähige Jungvölker werden. Ihre Königinnen dienen in erster Linie zur Umweiselung der Wirtschaftsvölker im Herbst. Wenn es so weit ist, werden drei der vier Königinnen entnommen und zur Vereinigung ihrer Bienen und Brut alle Schiede gezogen. Vorher die verbleibende Königin käfigen! Bienen und Brut von vier Völkchen ergeben in der Regel ein überwinterungsfähiges Jungvolk. Die Zarge wird dann mit zwei Futterwaben aufgefüllt, das Volk bei geschlossenen Fluglöchern an einen anderen Platz außerhalb des Flugkreises verstellt und dort nur ein Flugloch geöffnet. Bei Gelegenheit wird das Volk auf einen normalen Gitterboden gesetzt und selbstverständlich auch aufgefüttert.

Wenn die Königinnen sehr spät, im September oder sogar erst im Oktober, zur Umweiselung von Wirtschaftsvölkern entnommen werden, ist vielleicht vorher eine Fütterung der Völkchen notwendig. Dazu wird ein Futtertrog aufgesetzt. Allerdings muss dieser so konstruiert sein, dass die Bienen der vier Völkchen auch bei der Futterabnahme keinen Kontakt miteinander bekommen. Deshalb werden an der Unterseite des Futtertroges und im Aufstieg an seiner Front passende Holzleisten in Verlängerung der Schiede des Magazins angebracht. Ähnliche Vorrichtungen sind auch unter dem Abstandsblech des Futtertroges anzubringen, das die Bienen vor dem Ertrinken schützt. Die Völkchen können auch mit etwas Futterteig versorgt werden, der auf eine Wabengasse gelegt wird.

  

Aus "Einfach imkern" von Dr. Gerhard Liebig