Auffütterung

Eine ausreichend hohe Volksstärke ist wichtig für die erfolgreiche Überwinterung. Doch neben der Stärke des Bienenvolkes ist auch viel Wert auf seine ausreichende Bevorratung zu legen. Grundsätzlich gilt: Stärkere Völker brauchen im Winter(halbjahr) mehr Futter als schwächere Völker.

Die Futtergaben richten sich danach, ob die Völker auf einer oder zwei Zargen eingewintert werden. Ein-Raum-Völkern können wegen der begrenzten Wabenfläche nicht mehr als etwa 15 kg Zucker gegeben werden, am besten in zwei Futtergaben. Die erste wird etwa Mitte August verabreicht, die zweite erhalten die Völker erst gegen Mitte September, wenn die Brut ausgelaufen ist, sodass dieses Futter zentral eingelagert und das schrumpfende Brutnest nach vorne und nach unten gedrückt wird. Man braucht dann auch keine Sorge haben, dass das Volk im Winter den Kontakt zum Futter verliert.

Bei Zwei-Zargen-Völkern ist die Auffütterung überhaupt kein Problem. Sie erhalten mindestens 20 kg Zucker in zwei oder drei Gaben. Bei ihnen kann die Auffütterung schon Ende August beendet werden.

Zuckerwasserfütterung

Das meiste Futter verbrauchen die Völker erst im Frühjahr. Je nach Witterungsverlauf im März und April kann gerade bei starken Ein-Zargen-Völkern das Futter knapp werden. Wer seine Völker auf einem Raum überwintert, sollte immer ein paar Futterwaben in Reserve haben, um Futtermangel im Frühjahr rasch und ohne viel Umstände beheben zu können.

Welches Futter gegeben wird, spielt keine Rolle. Ob Zuckerwasser, Sirup oder Futterteig, ob Zuckerwasser 1:1,3:2 oder 2:1 verdünnt, ob in vielen kleinen oder in wenig großen Portionen gegeben ist ebenfalls nicht wichtig. Auch eine Reizfütterung vor oder nach der Auffütterung ist überflüssig, weil die beabsichtigte Wirkung nicht eintritt. Völker lassen sich weder im Frühjahr noch im Spätsommer zu einer verstärkten Bruttätigkeit anregen. Wichtig allein ist, dass (auf)gefüttert wird, zur richtigen Zeit und in ausreichender Menge.

Eine Stapelbox als Futtertrog. Sie fasst 20 Liter = Eine Anfahrt weniger!  
Futterteiggabe

In jüngster Zeit werden auch preiswerte Sirupe aus Maisstärke angeboten. Sie enthalten sehr viel Maltose (Malzzucker), bei deren Spaltung Glucose (Traubenzucker) entsteht, die sich dann im Winterfutter anreichern und seine frühzeitige Kristallisation herbeiführen würde. In den bisherigen dreijährigen Hohenheimer Untersuchungen über die Auffütterung von Bienenvölkern mit Maisstärkesirup ist dieser Fall aber nicht eingetreten.

Bei Fütterung mit Futterteig ist ein Behälter nicht notwendig.Der Futterteig wird in die Leerzarge auf die etwas zurückgezogene Folie gelegt. So wird Überbau verhindert.

Am Ende der Einfütterung soll jedes 2-Zargen-Volk über einen Winterfuttervorrat von mindestens 20 kg verfügen. Das sind 10 Waben gefüllt mit Winter-futter. Damit ein Volk nach der Auffütterung 20 kg Futter in den Waben hat, muss ihm eine Futtermenge von 20 kg Zucker Trockensubstanz in Form von Zuckerlösung gegeben werden. Ich rühre Zucker und Wasser im Verhältnis von 3:2 an und verwende warmes Wasser, damit sich der Zucker leichter löst. Die Anzahl der Futtergaben richtet sich nach der Größe des Futtertroges oder Futtereimers. Die Verabreichung vieler kleiner Futtergaben macht mehr Arbeit als die massive Auffütterung mit 2 oder 3 Futtergaben im Abstand von 4 bis 7 Tagen und bringt auch sonst keinen Nutzen.

Für die Einlagerung von 20 kg Futter braucht ein Volk 10 Zanderwaben, deshalb muss es 20 Waben zur Verfügung haben; die anderen 10 Waben werden für die Aufzucht der Winterbienen, für Polleneintrag und als Aufenthaltsraum für die ständig abnehmende Anzahl von Arbeiterinnen benötigt.


Aus "Einfach imkern" von Dr. Gerhard Liebig